Jugendstil-Fenster-Aufarbeitung

Über längere Zeit waren die Glasscheiben des historischen Fensters zur Waldseite in der Suite 115, 1. Etage Nordflügel Hotel Waldlust, kaputt geworfen. Statt des Fensterglases war deshalb eine Sperrholz-Notabdeckung ersatzweise als Witterungsschutz eingebaut.

Ein auf längere Sicht natürlich unhaltbarer, abträglicher Zustand, weil so der Lichteinfall stark dezimiert blieb und die Suite aus der Bauentstehungszeit anno 1903 merklich an Wirkung einbüßte. Vor allem litt das gesamte, beeindruckende Jugendstil-Wandelement unter diesem misslichen Defekt. Sehenswert die Wandtäfelung, dann die Fenster mit den charakteristischen geschweiften Jugendstilsprossen und auch der schmucke Rolladenkasten darüber.

Jetzt ist „der Fall“ geheilt, und das Fenster kann in ästhetischer vollkommener Weise wieder als Zierde des Raums fungieren.

Dazu wurden beide Fensterflügel zunächst in Teilen entlackt, die Kittrückstände entfernt und der hervorragend erhaltene, hölzerne Formrahmen sorgfältig beschliffen.

Danach wurden die nun holzsichtigen Teile neu grundiert, zwei Mal mit Voranstrichfarbe. Der Holzanstrich ist wichtig, weil nur so die Kittmasse langsam trocknen kann und nicht das Leinöl ins Holz einwandert und der Kitt dadurch spröde und brüchig wird.

Nach vollständiger Trocknung beider Fensterflügel hat Glasermeister Bernd Braun alle Scheibengläser neu ausgeschnitten, sie eingesetzt und mit einem akkurat aufgetragenen Kittfalz fixiert.

Es war dies nicht die erste Glasreparaturarbeit, die Bernd Braun für die Denkmalfreunde Waldlust und für deren Patenobjekt und „Pflegekind“ unentgeltlich und mit großem Wohlwollen verrichtet hat. Ein herzliches Dankeschön für diese Dienste am versehrten Denkmal.

Ein kleiner Wermutstropfen für den Glasermeister: Weil kein historisches, handgefertigtes Glas zur Verfügung stand, musste halt heutiges, „fehlerfreies“ Glas für die Fensterrestaurierung verwendet werden. Kenner wissen um den kleinen optischen Unterschied.
Siegfried Schmidt, Januar 2021